BARMER fordert bessere Vernetzung der Gesundheitsversorgung

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Erfurt, 21. August 2017 – Eine bestmögliche Versorgung von Patienten darf im deutschen Gesundheitswesen nicht länger an starren Sektorengrenzen scheitern. Das forderte Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER, heute vor rund 70 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen im Erfurter Augustinerkloster. „Die sektorübergreifende Versorgung ist eine der wichtigsten Herausforderungen der Gesundheitspolitik in der kommenden Wahlperiode. Eine bessere Zusammenarbeit vor allem zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern ist entscheidend dafür, dass das deutsche Gesundheitswesen seine heutigen Qualitätsprobleme lösen kann“, betonte Straub. Einzelne Projekte und die Initiativen von engagierten Ärzten und Krankenhäusern seien gut. Die sektorenübergreifende Versorgung müsse aber der Regelfall überall in Deutschland werden.

Gleiche Bezahlung an den Schnittstellen der Versorgung

Heute behinderten die Schnittstellen der Sektoren oft eine bedarfsgerechte und kontinuierliche medizinische Versorgung, so Straub. In der Praxis führe dies zum Beispiel zum Verlust wichtiger Informationen und verzögerten Behandlungen. „Medizinische Versorgung sektorübergreifend zu organisieren beginnt bei einer übergreifenden Bedarfsplanung und schließt ein, dass die fachärztliche ambulante Versorgung und die stationäre Grund- und Regelversorgung im Schnittstellenbereich gleich vergütet werden“, forderte Straub. Heute sei etwa die Zuständigkeit für die Versorgungsplanung streng nach Sektoren getrennt und nicht aufeinander abgestimmt. Für den ambulanten Sektor bestimme der Gemeinsame Bundesausschuss die Grundrichtung in seiner Bedarfsplanungs-Richtlinie, bei den Krankenhäusern hingegen liege die Verantwortung bei den Bundesländern. Eine übergreifende Versorgungsplanung mit Blick auf alle Leistungen in den Regionen könne dagegen die Zusammenarbeit deutlich verbessern.

Auch die Qualität der Behandlung müsse künftig stärker über die Sektorengrenzen hinweg bewertet werden. Eine wichtige Voraussetzung für eine bessere Zusammenarbeit sieht Straub in regionalen Versorgungsverbünden. „Vielfach sind Ärzte und Krankenhäuser heute noch nicht ausreichend vernetzt. Dies könnte sich ändern, wenn Leistungserbringer sich auf der Basis einer abgestimmten Bedarfsanalyse und übergreifenden Versorgungsplanung und verbindlicher Qualitätsvorgaben zusammentun“, so der BARMER-Vorstandsvorsitzende.

„Als Patienten werden wir alle davon profitieren.“

Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Thüringen, möchte die bessere Vernetzung der Gesundheitsversorgung auch in Thüringen mit regionalen Akteuren weiter entwickeln: „Die sektorenübergreifende Versorgung ist ein Mammutprojekt, aber es lohnt sich. Wichtig ist mir zu sagen, dass wir es nur gemeinsam schaffen können. Aber wir werden auch alle davon profitieren, wenn wir die Versorgung besser vernetzen und abstimmen – nicht zuletzt, weil wir selbst Patienten sind. Falls die Sorge besteht, dass irgendjemandem dadurch etwas weggenommen wird, dann kann ich beruhigen, denn auch in Zukunft bleibt für alle genug zu tun. Die sektorenübergreifende Versorgung wird sicherlich nicht billiger, nutzt aber Ressourcen besser. Wenn ich zurückblicke, kann ich mich nicht erinnern, dass Gesundheitsausgaben jemals gesunken sind.“ Dabei fange man in Thüringen nicht bei null an. In Thüringen gebe es bereits einige vielversprechende praktische Ansätze, wie aktuell den Aufbau von Portalpraxen und den Antrag des Landes Thüringen beim Krankenhausstrukturfonds. Nun geht es darum auch die Strukturen des Systems zu überdenken und zu diskutieren.

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