99 6101 – Die historische Dampflok der IG-HSB

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Um den bisher vorgestellten Wagenpark mit einer Dampflok zu bespannen, bedarf es natürlich einer Lok mit historisch interessantem Lebenslauf.

Unsere Lok sollte eigentlich eine kriegerische bis militärische Zukunft erhalten. Von der Firma Henschel in Kassel wurde sie und ihre Schwesterlok, die spätere 99 6102, für die Heerestechnische Prüfkommision 1914 gebaut.

Die deutschen Heersfeldbahnen vor dem ersten Weltkrieg waren eigentlich auf einer Spurweite von 600 mm unterwegs, also auf der klassischen Feldbahnspur. Diese Militärbahnen sollten die Versorgung direkt hinter der Frontlinie, in Festungen und Depots sowie zu den nächstgelegenen Regelspurbahnhöfen übernehmen. Allerdings hatte neben Vorteilen die Feldbahnspur auch recht enge Grenzen. Man beabsichtigte, vorhandene Schmalspurbahnen im Feindgebiet zu nutzen, dabei kamen in Belgien und Frankreich recht große Netze der 1000- mm-Spur vor. Unsere beiden Maschinen waren als Versuchsloks geplant und gebaut, sie unterschieden sich in der Dampfart, die 99 6101 fuhr mit Heißdampf, während die spätere 99 6102 als herkömmliche Nassdampflok ausgeführt wurde. Da die Erfindung des Herrn Schmidt aus Benneckenstein, der Überhitzer, zur Trocknung und Umwandlung des Nassdampfes, wie er vom Kessel erzeugt wird, in Heißdampf, nur wenigen Jahre alt war und positive Ergebnisse erbrachte, wollte auch das Militär Brennstoffe einsparen. Also wurden unsere Loks auf einer eigens errichteten Teststrecke nahe Drei Annen Hohne mit einer Steigung von 6,25 % getestet, das Württembergische Eisenbahnregiment rückte aus und baute diese etwa 500 m lange Teststrecke an der Brockenbahn und führte die gewünschten Tests durch, die 1917 abgeschlossen waren.

Danach standen beide Loks zum Verkauf, dann wurde die Heißdampflok als NWE-Nummer 6 gekauft, die Nassdampflok ging zur Nassauischen Kleinbahn bis 1920, danach wurde auch sie als NWE 7 im Harz eingesetzt. Ihr Einsatzgebiet waren die vielen Gleisanschlüsse von Wernigerode bis maximal Steinerne Renne sowie Nordhausen Nord bis Ilfeld, die mit schmalspurigen Güterwagen , aber sicherlich hauptsächlich im Rollbock-verkehr mit aufgerollten Regelspur-Güterwagen bedient wurden. Bei der NWE bekamen die beiden Loks auch die im Harz übliche Vakuumbremsanlage eingebaut. So waren die beiden Loks bis 1986 unter ihren DR-Nummern im Einsatz. In diesem Jahr stellte die RBD (Reichsbahndirektion) Magdeburg fest, dass die Loks mit fast 11 t Achslast zu schwer für den Oberbau der Harzbahnen wären.

Lok 99 6102 wurde kurz vorher auf die im Harz neue Druckluftbremsanlage umgerüstet, die 99 6101 wurde 1987 nach Görlitz zur Hauptuntersuchung geschickt und fuhr mit Ausnahme-genehmigung und max. 10 km/h noch Rollbockzüge nach Hasserode. Beide Loks wurden 1993 von der HSB übernommen, die 99 6101 mit abgelaufener Kesselfrist gelangte als Dauer-leihgabe zur IG-HSB , die die Lok in Meiningen 1994 wieder betriebsfähig aufarbeiten ließ. Lok 99 6102 gelangte kurz vor der Wende zum Freundeskreis Selketalbahn und war bis zum Fristablauf 2009 für Sonderzüge im Einsatz. Zur Zeit wird sie als rollfähiges Exponat wieder aufgebaut. Auch 99 6101 steht derzeit ohne Fristen in Wernigerode abgestellt. Ihre Länge über Puffer beträgt 7,73 m, der Treibraddurchmesser 800 mm, der Zylinderdurchmesser 400 mm, der Hub 400 mm. Der Dampfkessel arbeitet mit einem Druck von 14 bar, die Leistung erreicht etwa 300 PS.

An Vorräten können sie 4 m³ Waser und 1,1 t Kohle mitnehmen. Ein Blick auf das Fahrwerk der 99 6101,am 24.08.2014 mit dem Museumsexpress der HSB in Stiege. Man erkennt, dass bei einem Achsstand von 2500 mm vorn und hinten recht große Überhänge bestehen, die natürlich die Fahreigenschaften beeinflussen.

Quellen: Die Triebfahrzeuge und Wagen der IG- HSB, Steimecke und Holzborn 2015
Die Fahrzeuge der Harzer Schmalspurbahnen: Bethke, Finke, Schweers 2003

Bild und Text: Winfried Schwarzbach

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